Publikationen

Bodo Hell Kunstschrift 2018

Silvie Aigner

Kunsthistorikerin

DER MALERIn seinen Bilder entwickelt Wolfgang Krebs imaginäre Räume, die an Landschaften erinnern. In den Schichten lasierender Ölfarben werden das Material selbst und die malereiimmanenten Themen des Bildes in den Mittelpunkt gestellt. Durch das grobe Material des Bildträgers »verwebt« Wolfgang Krebs die Farben auf der Leinwand und gibt den Sujets eine Struktur mit zuweilen illusionistischer Tiefenräumlichkeit. Sie entstehen im Wechselspiel zwischen Farbe, Material und Farbraum sowie zwischen autonomer Malerei und in einer Vielschichtigkeit der Farbüberlagerungen sowie durch die Stimulierung durch die Wirklichkeit. Die den Bildern zugrunde liegenden Motive kann der Betrachter nur erahnen. Das dunkle Grün eines Waldsees, die blauweiß schimmernde Schneedecke im Winter oder das wildbewegte Wasser, dessen innewohnende Kraft den Segler Wolfgang Krebs immer wieder fasziniert und zu Bildern anregt. So schließt sein Abstraktionsbegriff Momente des Natürlichen mit ein, wobei sich diese auf Grundelemente wie den Hell-Dunkel-Dialog sowie die Schaffung eines atmosphärischen Bildraums auf der Leinwand beziehen. So zielt er darauf das Motiv in den Hintergrund treten zu lassen und den Bildraum ausschließlich durch die Malerei zu lösen. Dabei trifft die kräftige Gestik »rockiger Töne« auf Felder mit „sanften Stimmungen“. Die komplexe und dichte Oberfläche seiner Bilder erreicht der Künstler durch eine gekonnte Verbindung von Malgrund und Oberfläche. Die Farbe unternimmt scheinbar, wie von allein ihre Schritte, indem sie rinnt, sich verdichtet oder untere Farbschichten durchscheinen lässt. Doch sind seine Kompositionen wenngleich von großer Gestik, präzise formuliert und distanzieren sich deutlich von einer aktionsgeladenen Malerei.
(Silvie Aigner, 2009)


Brigitta HÖPLER

Autorin

Eröffnung „RUHE-UN-RUHE“ Wolfgang Krebs März 2017

Ich freue mich sehr, die Ausstellung Ruhe/Unruhe von Wolfgang Krebs in den Räumen der Firma Trenkwalder zu eröffnen. Worte zur Kunst sind immer nur Wortumspielungen, Begleitung dessen, worum es eigentlich geht: die Kunst. In diesem Fall die Bilder.
Worte zu Bildern, ein Text haben aber auch die Möglichkeit, Text wörtlich zu nehmen, auf den lateinischen Wortursprung zurückzuführen texere – verbinden, verweben, verknüpfen. Verbindungen herzustellen, zwischen den einzelnen Bildern, zwischen den Bildern und dem Ort, zwischen den Bildern und den Betrachtern.
Kunst in Büroräumen kann bloße Dekoration sein, im Sinne von Schmuck, Verzierung, und an der Oberfläche bleiben oder aber Inspiration, – im Sinne von Eingebung, plötzliche Erkenntnis, Idee, Impuls, und mehr in die Tiefe gehen. So gesehen ist Kunst in Büroräumen auch eine Chance, eine Möglichkeit.
Kunst kann immer auch Unterbrechung sein. Unterbrechung im Alltag, in den Arbeitsabläufen, in den gewohnten Gedankenbahnen, im gewohnten Sehen.
In dieser Ausstellung muss sich der Betrachter bewegen, den Gang entlang und auch immer wieder in ein Besprechungszimmer hinein, sie beginnt im hinteren Teil, endet hier mit dem kleinen Bild „Hang“.
Wolfgang Krebs nennt seine Ausstellung Ruhe/Unruhe und zeigt 20 Bilder aus den letzten 12 – 15 Jahren. Die Ausstellung beginnt im hinteren Teil mit Bildern vertikaler Farbbalken, – sie zeigen die Lust am Pinselstrich und strahlen weitgehend Ruhe aus. Weitere Arbeiten erinnern an Ausblicke, durch eine Art Fenster, durch einen Rahmen, hinter einer Barriere. Der Pinselstrich wird expressiver, aufgelöster, … von der Ruhe zur Unruhe, von der Harmonie zur expressiven Dynamik.
Wasser, – fließende, stehende Gewässer – ist Thema vieler Bilder. Sie sind – unter anderem – Ergebnis vieler Segelreisen und viel verbrachter Zeit am Wasser. Allerdings sollten solche biografischen Aspekte keine Rolle spielen, sondern die Bilder selbst vermitteln, worum es geht.
Das Wasser an sich ist so ein Element zwischen Ruhe und Unruhe, zwischen Ruhe und Bewegung. Eine ruhige Wasseroberfläche bildet ab in der Spiegelung, durch Wind und Wellen wird das Bild in Farben und Formen aufgelöst.
Künstler, Maler, sind Augenmenschen, sie sehen intensiv, setzen sich mit anderen Malern auseinander, Wolfgang Krebs etwa mit den späten Seerosenbildern von Claude Monet und Wilhelm de Kooning. Auch gesehene, erlebte Landschaften füllen den inneren Bildspeicher. Die gespeicherten Bilder im Inneren finden ihren Ausdruck auf der Leinwand, ein Ort, wo Innen- und Außenwelt aufeinandertreffen. Gesehenes und Erlebtes fließt, bewusst und unbewusst in die Bilder.
Wolfgang Krebs spricht von „landschaftlich angehauchter Ausgangsposition“ und entwickelt seine Bilder von Skizzen aus, allerdings spielt dabei auch die Dynamik des Malprozesses eine große Rolle. Ein Bildgeschehen aus einer Idee, aus Farben, Formen, Pinselstrichen, aus Zufall – eines fällt ins andere und ergibt etwas Neues.
Manche Bilder sind von unterschiedlichen Seiten gemalt – man sieht es am Verlauf der Farbe – um die Gegenständlichkeit weiter zu brechen, dem Bildgeschehen, dem Zufall Raum zu geben.
Allerdings halten die Arbeiten ein feines Gleichgewicht zwischen Expressivität, manchmal heftiger malerischer Geste und überlegter, genauer Bildkonstruktion.
Immer wieder ist Gegenständliches versteckt, etwas aus früheren Bildern taucht auf, eine rote Sonne, ein toter Vogel, eine gelbe Maske, ein Herz, Blatt- und Blütenformen, … – ein ständiges Wechselspiel zwischen gegenständlicher Erinnerung und Abstraktion, zwischen Form und deren Auflösung.
Die Ausstellung endet mit dem kleinen Ölbild „Hang 1“, eine aufsteigende Almlandschaft, näher der gegenständlichen Landschaftserinnerung.
Und die Ausgangsposition der Betrachter, der Betrachterinnen?
Subjektiv, je nach persönlichen Erinnerungen und eigenen inneren Bildern.
Erinnert mich etwas im Bild an etwas?
Erkenne ich etwas?
Zieht mich eine Form an?
Bringt eine Farbe etwas zum Klingen?
Tauche ich die Atmosphäre des Bildes ein?
Die Annäherungen an die Bilder sind so unterschiedlich wie die Betrachter, die Betrachterinnen.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen inspirierenden, vergnüglichen, beruhigenden, vielleicht beunruhigen Abend mit den Arbeiten von Wolfgang Krebs.

Brigitta Höpler